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Probiotika – gesunde Begleiter des Menschen seit Jahrtausenden

Probiotika galten bis vor nicht allzu langer Zeit als exotische Domäne einer alternativen Naturheil-Szene.

Bis sie von der pharmazeutischen Industrie und den Lebensmittelherstellern entdeckt wurden.

Seither werden sie hochgejubelt und allen möglichen Lebensmitteln beigemischt oder teuer als Nahrungsergänzung verkauft.

Doch was ist wirklich dran an Probiotika? Sind sie tatsächlich so gesund, wie uns die Werbung glauben macht? Und wo genau liegt eigentlich der Haken?

Wir sind der Sache nachgegangen und liefern hier die handfesten Hintergründe zum Thema Probiotika.

Probiotika – gute Bakterien, schlechte Bakterien?

Probiotika
Soviel wenigstens steht fest: Der Mensch ist von mehr Bakterien besiedelt, als er Zellen hat.

Zig Billionen sind es auf jeden Fall (s.a. Bakterien im Magen – unsere ältesten Mitbewohner)

Bekannt sind nur einige wenige und auch von denen gilt wiederum nur eine verschwindende Minderheit als „gut“.

Dieses Prädikat bekommen Bakterien nur dann, wenn sie den Menschen gesund erhalten und nicht krank machen.

Unsere Vorfahren in der Steinzeit konnten den Unterschied vielfach erschnuppern.

Sie folgten ihren gesunden Instinkten, wenn sie Fäulnisgeruch wahrnahmen – und überlebten (s.a. Die Paleo-Diät).

Später wusste man aus Erfahrung um die gesundmachenden bzw. krank machenden Eigenschaften von Bakterien.

Und eine Vorliebe für Saures ist den allermeisten Menschen in allen Kulturen bis heute geblieben:

In fast jeder Region der Erde gibt es bis heute Speisen, die als besonders gesund gelten und deren besonderer Geschmack der Fermentation zu verdanken ist.

Fermentation: Das Fermentieren ist die am weitesten verbreitete, die älteste und gesündeste Methode, bestimmte Lebensmittel wie beispielsweise Kraut oder Milch mit Hilfe von Mikroben zu vergären und dadurch haltbar zu machen.

Viele Probiotika werden heute nicht mehr in Handarbeit, sondern industriell angefertigt. Dabei kommen gezielt nur ganz bestimmte Bakterienstämme zum Einsatz.

Die Vielfalt, die früher bei der Herstellung probiotischer Lebensmittel gegeben war, ist damit verloren gegangen.

Zudem wird Milch heute regelmäßig nach dem Melkvorgang zumindest kurz erhitzt. Das ist schon aus Gründen der Hygiene erforderlich, um Krankheitserreger – also die „bösen“ Bakterien – abzutöten.

Allerdings müssen dabei auch viele gute und gesunde Bakterien dran glauben.

Das gilt in gleicher Weise, wenn die Zubereitung zwar durch Fermentation erfolgt, das Lebensmittel aber danach keimfrei erhitzt wird.

Probiotika – Definition

Probiotika ist der Plural des lateinischen Begriffs „Probiotikum“. Übersetzt bedeutet das soviel wie

„Mittel für das Leben“

Probiotika sind Lebensmittel-Zubereitungen, die lebensfähige und gesundheitsfördernde Mikroorganismen enthalten.

Es handelt sich dabei um außerordentlich widerstandsfähige Bakterienkulturen.

Sie entstehen wie zum Beispiel die Milchsäurebakterien der Art Lactobacillus casei entweder auf natürliche Weise oder werden im Labor gezüchtet.

Probiotische Mikroorganismen können im Gegensatz zu den meisten anderen Bakterienstämmen den Verdauungsprozess überstehen und sich im Dickdarm ansiedeln.

Dort entfalten die Bakterienkulturen Stoffwechselaktivitäten, die im menschlichem Körper etliche physiologische und biochemische Prozesse bewirken.

In ausreichenden Mengen aufgenommen können sie offensichtlich das mikrobielle Gleichgewicht positiv beeinflussen, indem sie beispielsweise

  • das Cholesterin senken und
  • antimikrobielle,
  • antikanzerogene sowie
  • immunstärkende Wirkung entfalten.

Probiotika – Tests und wissenschaftliche Studien

In zahlreichen medizinischen Studien konnte inzwischen die Wirkung von Probiotika nachgewiesen werden.

Sie fördern die Gesamtgesundheit und stärken das Immunsystem.

Probiotika wie zum Beispiel das berühmte Lactobacillus bulgaricus, das wir aus dem Joghurt kennen, wirken sich positiv auf die Darmflora aus.

Sie haben die Eigenschaft, den Stoffwechsel insgesamt zu harmonisieren (s.a. Stoffwechsel anregen).

Wissenschaftlich gesichert ist nur: Probiotika wirken.

Fest steht auch, dass man Probiotika über einen langen Zeitraum, also mindestens drei Monate, einnehmen muss, damit sie überhaupt Wirkung zeigen.

Dann erbringen sie teilweise positive Ergebnisse wie

  • eine Förderung der Lactose-Verdauung,
  • die Unterdrückung einiger krankheitserregender Keime im Darm sowie
  • Wirksamkeit gegen bestimmte Formen von Durchfall, besonders solche, die durch Viren verursacht wurden.

Was man allerdings bis heute nicht ganz genau sagen kann ist: Welche Bakterienkulturen machen eigentlich genau was?

Es gibt nicht das eine Probiotikum, das antibiotisch, antiallergisch oder antimikrobiell wirkt.

Die Mikroben, also die Kleinstlebewesen arbeiten zusammen.

Man kann ihre Wirkung also (noch) nicht ganz verstehen und deswegen auch nicht kontrollieren.

Deswegen können industriell produzierte Probiotika oft einfach gar nicht halten, was die Werbung verspricht.

Und gerade im Zusammenhang mit Nahrungsergänzungsmitteln und den zahlreichen Lebensmitteln, die mit probiotischen Kulturen angereichert werden, wird ja immer wieder auf die angeblich so gesundheitsfördernden Eigenschaften bestimmter Bakterienstämme hingewiesen.

Diese sind aber eben nur zu sehr geringen Teilen wissenschaftlich nachgewiesen.

Nicht nachweisen konnte man bisher folgende Wirkungen:

  • gesteigerter Schutz gegen Infektionskrankheiten,
  • Senkung des Cholesterinspiegels und
  • Eindämmung oder Prävention von Dickdarmkrebs.

Probiotika oder Präbiotika? Der kleine Unterschied

Häufig werden die Begriffe Probiotika und Präbiotika synonym verwendet. Das ist aber nicht ganz korrekt.

Deswegen folgt hier eine Erläuterung der spezifischen Bezeichnungen:

BezeichnungBedeutungWirkung
ProbiotikaProdukte enthalten lebensfähige Mikroorganismen wie beispielsweise Bakterien und Hefen.Fördern, wenn sie in ausreichender Menge den Dickdarm erreichen, die Darmgesundheit.
PräbiotikaNahrungsmittelbestandteile oder Zusätze, die aus unverdaulichen, meist pflanzlichen Ballaststoffen bestehen.Fördern das Wachstum insbesondere der Bakterien. Ist der Darm gut besiedelt, können krank machende Bakterien sich nicht so gut ansiedeln.

Vereinfacht könnte man auch sagen: Präbiotika sind das optimale Futter für die guten Bakterien.

Pro- und Präbiotika können in Kombination miteinander

  • die Symptome bei Laktoseintoleranz und
  • Durchfälle lindern, zum Beispiel nach Antibiotikatherapie sowie
  • krebsfördernde und unerwünschte Produkte in der Darmflora vermindern.

Probiotika und Präbiotika – wozu Nahrungsergänzungsmittel?

Viele traditionelle und sehr wohlschmeckende Lebensmittel enthalten lebendige Bakterienstämme beziehungsweise Nährstoffe, die ihr Wachstum fördern.

Wozu benötigen wir also Kapseln oder industriell hergestellte Lebensmittel mit Probiotika und Präbiotika, wenn wir die gleiche Wirkung mit natürlichen Kulturen erzielen können?

Hier können wir uns kostengünstig bei Mutter Natur bedienen. Veganer haben im Hinblick auf gleich doppelt Glück – fast alle Lebensmittel bis auf die Milchprodukte und Salami sind zugleich auch vegan.

Natürliche Probiotika und Präbiotika sind ohne Bedenken auch für Kindern geeignet.

Natürliche Präbiotika – Liste

natuerliche Probiotika Bananen

  • Artischocken,
  • Bananen,
  • Chicorée,
  • Getreide,
  • Knoblauch,
  • Löwenzahnwurzel,
  • Pastinaken,
  • Porree (Lauch),
  • Schwarzwurzeln,
  • Spargel,
  • Topinambur,
  • Weizenkleie,
  • Zwiebeln.

Präbiotika können ihre Wirkung nur entfalten, wenn man insgesamt ca. fünf Gramm pro Tag verzehrt. Dies sollte bei einer ausgewogenen und vollwertigen Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten jedoch ohnehin gewährleistet sein.

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