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Helicobacter pylori – echt ätzend oder harmlos?

Mit dem Helicobacter pylori ist es so eine Sache: Er ist zwar nachweislich verantwortlich für die allermeisten Magenleiden, aber nicht jeder, der ihn hat, bekommt auch Probleme. Ansonsten müssten nämlich ein Drittel aller Deutschen krank sein.

Gibt es also einen aggressiven Typ und einen eher harmlosen in der großen Helicobacter-Familie? Auf diese Frage hat die Wissenschaft bisher leider noch keine Antwort gefunden. Die bisher bekannten Fakten über den Helicobacter pylori und seine Behandlung haben wir hier übersichtlich zusammengetragen.

Helicobacter pylori – ein geheimnisvolles Bakterium und seine Geschichte

Helicobacter pylori ursachen
Der Helicobacter pylori ist unser Wegbegleiter seit alters her. Das Bakterium lebt nämlich schon seit 50.000 Jahren in uns, mit uns oder um uns herum. Wir haben uns sozusagen mit ihm zusammen entwickelt. Deswegen gibt es auch ganz unterschiedliche Helicobacter-Typen. Je nachdem, wo der Keim bzw. der Mensch, den er sich aussuchte, zu Hause war.

Und sehr wahrscheinlich gibt es so viele verschiedene Typen wie Menschen, die den Helicobacter pylori in sich tragen.

Der Helicobacter pylori kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Eine Infektion erfolgt vermutlich schon im Kindesalter durch engen Kontakt innerhalb der Familie. Im Erwachsenenalter ist die Ansteckungsgefahr gering. Die Helicobacter-Bakterien, die sich dann im Magen ansiedeln, können friedliche Zeitgenossen sein, die mit ihrem Propeller unbemerkt durch unseren Magentrakt strudeln.

Sie können aber auch gefährliche Wegelagerer sein, die mit einer Art Spritze, von Medizinern „cagA“ genannt, die Zellen im Magen malträtieren und sie auf diese Art und Weise langsam zerstören. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass bei Menschen, deren Helicobacter die Spritze hat, die Wahrscheinlichkeit viel höher ist, an Magenproblemen zu erkranken.

Warum überlebt der Helicobacter pylori im Magen?

Unsere Magensäure hat einen pH-Wert von 1,0 – 1,5. Sie ist also dermaßen sauer, dass eigentlich alles Lebendige darin zugrunde gehen müsste. Der Helicobacter ist allerdings ein echter Überlebenskünstler: Er umgibt sich einfach mit einem basisches Milieu, genauer gesagt mit Ammoniak. Den produziert er selbst, indem er Harnstoff aus der Nahrung mit Hilfe eines Enzyms, der Urease, aufspaltet.

Möglicherweise kann der „schlaue“ Helicobacter den Harnstoff sogar selbst herstellen. Und um ganz sicher zu sein, schlüpft er dann auch noch unter die Schleimhaut, mit der sich die Magenwand selbst vor Säure schützt.

Helicobacter pylori – die Ursache allen Übels?

Der Helicobacter reizt die Magenschleimhaut, indem er sich dort einnistet. Wenn er dann auch noch zu der aggressiven Sorte – also dem mit der Spritze – gehört, ist dieser Reiz um so stärker.

helicobacter
Ein permanenter Reiz ist für jedes Organ auf die Dauer ziemlich ungesund. Jeder fünfte Wirt eines Helicobacter bekommt nämlich dadurch kleine Verletzungen an der Magenwand. Das kann zu Entzündungen führen. Deswegen versucht der Magen, den unerwünschten Eindringling los zu werden, indem er vermehrt Magensäure absondert. Das kann die Schleimhäute allerdings noch weiter schädigen und noch mehr Magenprobleme verursachen.

Zu allem Überfluss besitzt der Helicobacter noch eine weitere Fähigkeit: Immer wenn das Immunsystem ihn angreift, wehrt er sich. Er reagiert mit der Absonderung von Sekreten. Und reizen die Schleimhäute noch mehr.

Die Folge kann eine chronische Entzündung sein, zum Beispiel die am häufigsten diagnostizierte chronische Magenschleimhautentzündung Typ B. Kommt der Magen nicht zur Ruhe, kann dies zu Geschwüren und schließlich auch zu Krebs führen.

Dreiviertel aller Geschwüre im Magen und fast alle im Dünndarm entstehen nach einer Infektion mit dem Helicobacter pylori. Etwa ein Prozent der Träger erkrankt an Magenkrebs. Ohne Helicobacter ist diese Wahrscheinlichkeit um ganze 40 Prozent geringer.

Es ist aus diesen Gründen sehr wichtig, bei Verdacht einen Helicobacter Test durchzuführen!

Welche Symptome sind typisch für den Helicobacter pylori?

Während die chronische Infektion häufig ohne Symptome verläuft, treten bei der akute Infektion vor allem Erbrechen und Übelkeit als Leitsymptome auf.

Daneben können auch allgemeine Beschwerden im Oberbauch auftreten wie

Welche Behandlung erfolgt bei Helicobacter pylori?

Oft wird die Helicobacter-Gastritis (Typ-B-Gastritis) im Rahmen anderweitiger medizinischer Untersuchungen eher zufällig entdeckt. Diese verläuft häufig symptomlos. Daher muss sie auch nicht unbedingt behandelt werden. Denn wie eingangs schon erwähnt ist der Helicobacter pylori für die allermeisten Menschen harmlos.

Eine Helicobacter-pylori-Therapie wird in der Regel nur bei stärkeren Beschwerden durchgeführt oder wenn das Risiko einer schweren Erkrankung besteht: Die bewährte Behandlungsmethode besteht dann nach wie aus Antibiotika in Kombination mit Säureblockern.

Dieser hemmt wie der Name schon sagt die Bildung von Säure im Magen. Das soll dazu beitragen, dass sich die Schleimhaut wieder erholen kann.

Tipp: Da in Nordeuropa schon ca. fünf Prozent der mit Helicobacter-Bakterien infizierten inzwischen gegen die Antibiotika resistent sind, muss der Arzt einige Wochen nach Behandlungsbeginn eine Erfolgskontrolle durchführen und gegebenenfalls mit anderen Medikamenten weiterbehandeln, bis der Helicobacter pylori nicht mehr nachzuweisen ist.

Die Medikamente, die bei der Helicobacter-pylori-Therapie verordnet werden, verursachen häufig Nebenwirkungen: In 10 bis 25 von 100 Fällen treten vorübergehend Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall auf. Möglicherweise ist aber auch schon bald eine schonendere Behandlungs-Alternative in Sicht, nämlich ein konzentrierter Extrakt aus Brokkoli – Sulforaphan. Der enthaltene Wirkstoff kann das Enzym blockieren, mit dem der Helicobacter die Magensäure neutralisiert. (Quelle: Giulia Enders, Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ, S. 214)

Der Helicobacter pylori in der Homöopathie

In einer Therapie nach der klassischen homöopathischen Lehre können diverse Mittel zur Anwendung kommen. Bewährt hat sich zum Beispiel eine Kombination folgender homöopathischer Arzneimittel:

  • Nux vomica Homaccord,
  • Lymphomyosot und
  • Gastricumeel.

Die Einnahme sollte über mindestens vier Wochen erfolgen.

Liegt eine Magenschleimhautentzündung oder eine andere Krankheitsbild vor, das Magen oder Darm betrifft, muss die homöopathische Therapie exakt auf die Diagnose abgestimmt werden, um den Heilungsprozesses optimal zu unterstützen. Sie sollte daher immer eng mit dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker abgestimmt werden.

Ernährungsempfehlungen bei Helicobacter pylori

Generell gilt auch hier: So lange der Helicobacter keine Probleme macht, sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Aber natürlich sollte man schon im Interesse der langfristigen Erhaltung der eigenen Gesundheit Wert auf einen gesunden Lebensstil legen.

Dazu gehört auch, Magen und Darm durch eine ausgewogene, vielseitige und kalorienbewusste Ernährungsweise bewusst zu pflegen. Vorbeugend wird zudem dringend empfohlen, Übergewicht zu reduzieren.

Liegt eine akute, durch Helicobacter-Bakterien verursachte Gastritis-Infektion vor, ist neben einer medikamentösen Behandlung meistens eine Diät angesagt. Sie beinhaltet den Verzicht auf alles, was den Magen reizen könnte wie

  • Kaffee,
  • fette, schwere und scharfe Speisen,
  • Alkohol und
  • Nikotin.

Die Diät soll außerdem dabei helfen, das Immunsystem und die gesunden Bakterienkulturen im Organismus zu stärken. Dabei kann eine Vollwertkost mit überwiegend unverarbeiteten Lebensmitteln hilfreich sein. Hier sind die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine gute Orientierungshilfe.

Ergänzend empfiehlt sich zumindest während des Therapie-Zeitraums, am besten aber auch danach der regelmäßige Verzehr von probiotischen Lebensmitteln.

Sie sind den so gannten Probiotika, also den Kunst-Produkten aus der Industrie, denen Bakterienstämme zugesetzt werden, immer vorzuziehen. Probiotische Lebensmittel enthalten natürliche Bakterien und Hefen, die den Mikroorganismen im menschlichen Körper entsprechen wie zum Beispiel Stämme des Lactobacillus oder des Bifidobakteriums. Zu den probiotischen Lebensmitteln zählen unter anderem

  • Jogurt,
  • Kefir,
  • Sauerkraut,
  • Sauerteig und
  • saure Gurken.
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Phillipp Doetsch ist Personal Trainer und ausgebildeter Ernährungsberater. Seit vielen Jahren trainiert er erfolgreich zahlreiche Klienten in Berlin und ist stets bestrebt, das Beste aus sich und den Menschen in seiner Umgebung heraus zu holen. Nebenbei schreibt er für den Evergreen Verlag, um sein Wissen so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen.


Christine Kammerer ist studierte Politologin, Gesundheitsjournalistin und HeilpraktikerinGesundheitsjournalistin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie ist außerdem ausgebildete Seminarleiterin für Entspannungsverfahren und Trainerin für Kraft- und Fitnesssport mit DOSB-Lizenz für Sport in der Rehabilitation.